Der Fischerjunge und die versunkene Krone

Dies ist mein Beitrag zur Blogparade von Frank Bergmann. 200 Jahre, nachdem die Brüder Grimm den ersten Band ihrer Kinder- und Hausmärchen veröffentlichten, soll diese Erzählform mit vielen, neuen Beiträgen am Leben erhalten werden.

Der Fischerjunge und die versunkene Krone

Es war einmal ein Fischerjunge, der wurde jeden Tag ans Meer zum Fischen geschickt. Doch er brachte es nicht übers Herz, die Fische zu fangen, zu töten und auf dem Markt zu verkaufen. In seiner Familie wurde er deshalb ausgelacht, und man machte ihm Vorwürfe, weil er zum Lebensunterhalt nichts beitrug. So musste sich der Junge damit begnügen, Pilze und Kräuter zu sammeln und vom Obst und Gemüse der Jahreszeiten satt zu werden.

Eines Tages trug es sich zu, dass die Prinzessin des Landes eine Bootsfahrt auf dem Meer machte. Da kam mit einem Mal ein stürmischer Wind auf und fegte die perlenbesetzte Krone der Prinzessin ins Meer. Die Krone war aus schwerem Gold und ging sofort unter.

Die Prinzessin weinte bitterlich und ließ am nächsten Tag im ganzen Land verkünden: „Wer mir die Krone zurückbringt, den werde ich zum Mann nehmen.“

Viele junge Männer versuchten es und tauchten ins Meer. Doch sie kehrten alle nie wieder zurück, weil in der Tiefe ein Ungeheuer hauste. Es verschlang mit Freuden jedes menschliche Lebewesen. Auch der Fischerjunge überlegte, wie er es anstellen könnte, die Krone zu holen. Da kamen seine Freunde, die Meerestiere, ans Ufer geschwommen. Sie wollten dem Fischerjungen helfen, der ihnen nie ein Leid angetan hatte. Und sie hatten eine Idee, wie man das Ungeheuer überlisten könnte:

„Wir ziehen Dich mit unseren starken Armen in die Tiefe“, sagten die Tintenfische. „Und wir werden so viel Tinte versprühen, dass Dich das Ungeheuer nicht sehen kann.“

So geschah es. In einem dichten Nebel von blauer Farbe tauchte der Fischerjunge auf den Meeresboden, fand die Krone und konnte unbemerkt vom Ungeheuer wieder das sichere Land erreichen. Doch an der vielen Tinte hatten seine Augen Schaden genommen, und fortan war der Fischerjunge blind.

Die Prinzessin hatte unterdessen alle Hoffnung aufgegeben und war schwer krank geworden. Als man ihr eines Tages einen zerlumpten, blinden Bettler meldete, glaubte sie an einen üblen Scherz und wollte ihn nicht empfangen.

Da brach der Fischerjunge die schönste der Perlen von der Krone ab und steckte sie in eine Rose. Sodann rief er seine Freunde, die Vögel, mit denen er im Wald seine Beeren geteilt hatte. Die Vögel trugen die Rose hinauf zum Fenster der Prinzessin und zwitscherten so laut, dass sie zum Fenster trat und öffnete.

Voller Freude entdeckte die Prinzessin die Perle und hielt sie ins Sonnenlicht, dass es nur so glänzte und schimmerte. Die gleißenden Strahlen fielen direkt auf den blinden Fischerjungen, der unten am Schloss stand und wartete. Und als das Licht seine Augen erreichte, ward er wieder sehend. Er nahm die Krone zur Hand und winkte damit zur Prinzessin hinauf. Da gab es ein Funkeln und Leuchten, davon wurde die Prinzessin mit einem Schlag gesund und ihrer beiden Herzen mit Liebe erfüllt.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.

Ein Gedanke zu “Der Fischerjunge und die versunkene Krone

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