Ein Dixi-Klo für Nicola

Als gelernter Rheinländer schätze ich besonders die fünfte Jahreszeit. Sie erlaubt es mir, mich hemmungslos als Nikolaus zu verkleiden und im Dezember ernsthafte Gespräche zu führen. Vor allem mit Kindern. So nach dem Motto:

„Der Nikolaus, das kann nicht sein, der passt in Schornsteine nicht rein. Und das er kommt geflogen, ist höchstwahrscheinlich auch gelogen.“

Ernsthafte Gespräche

Die Kinder sind ganz Ohr. Schließlich ist ein bärtiger Rotrock auch eine potenzielle Wundertüte. Aber sie müssen mir erst ein Gedicht aufsagen oder ein Lied singen. Als Belohnung winkt den Kindern lyrisches Drama:

„Es war einmal ein kleiner, dicker, roter Nikolaus, dem gingen die Geschenke aus. Der Nachschub in Alfter kam nicht an, sie ist halt unpünktlich die Vorgebirgsbahn.“

Selbstlose Einsätze dieser Art haben leider kein Alleinstellungsmerkmal. Kritisch wird es, wenn gleichzeitig ein offiziell engagierter Heiliger Mann beim Dorffest aufkreuzt und mit vollen Händen Süßkram austeilt. Die Kinder reißen die Augen auf und sind wieder ganz Ohr:

„Ich bin der kleine Bruder vom Nikolaus und habe ihm ein bisschen geholfen“, schwadroniere ich los. „Ihr seid ja heute so viele Kinder.“

Der Konkurrent bedankt sich säuerlich, und ich verabschiede mich mit einem fröhlichen: „Ich bin dann mal weg, lieber Bruder. Wenn Du wieder Hilfe brauchst, rufe einfach an.“ Ich nehme Zuflucht beim Damenfriseur und darf dort die Toilette benutzen. Den dicken Mantel ziehe ich dafür aus.

Der Nikolaus hängt zum Lüften

Als ich in voller Montur den Salon wieder verlasse, ruft es mich mit heller Stimme an: „Hallo Nikolaus, darf ich Dich mal was fragen?“ – „Aber sicher doch“, erkläre ich großzügig dem kleinen Mädchen. „Du bist gar kein richtiger Nikolaus, ne?“ – „Doch, doch“, versichere ich. „Ich bin der kleine Bruder des Nikolaus.“ Das Mädchen legt den Kopf schief und beharrt:

„Gar nicht wahr. Du bist ein Mädchen!“ Ich hole tief Luft. „Aber weißt Du was“, beschwichtigt die Kleine, „das bleibt unser Geheimnis.“

Ich erkläre mich erfreut einverstanden und werde künftig nur noch dort auftreten, wo es einen Herrenfriseur gibt oder wenigstens ein Dixi-Klo.

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