Handfeste Glücksbringer

Zu vierblättrigen Kleeblättern habe ich eine besondere Beziehung. Wenn ich über eine Wiese strolche, an einem Grünstreifen entlanggehe, absichtslos den Blick über das Gras streifen lasse – da!

 Ein Kleeblatt mit vier Blättern sieht mich. Ich muss es nicht suchen. Es findet mich!

Gänseblümchenwiese

Ich pflücke es, wünsche mir etwas und hebe es sorgsam auf. Was ich mir wann bei welchem Kleeblatt gewünscht habe, halte ich nicht nach. Wichtig ist nur der momentane Abglanz eines freundlich geneigten Schicksals.

Meine Tochter wird dagegen handgreiflich.

Wir sind auf dem Weg zur ambulanten Weisheitszahn-OP. Alle vier auf einen Schlag sollen bei ihr heraus, unter örtlicher Betäubung. Ich bin gewappnet. Der Kühlschrank ist voll mit Eis und Suppe, flüssigem Joghurt, Saft und Babynahrung.

Das Kind dagegen hadert schon seit Wochen mit seinem Schicksal.

Wir sind noch keine zwei Minuten unterwegs, da schreit dieses Kind – damals immerhin schon 21 Jahre alt – mich zu einer Vollbremsung.

„Mama! Halt an. Da ist ein Schornsteinfeger.“

Das Kind stürzt aus dem Auto.

„Sind Sie echt?“

Der Mann ist noch nicht fertig mit Nicken, da fliegt ihm dieses Kind um den Hals. „Ich muss Sie drücken. Ich brauche jetzt ganz viel Glück, ich habe gleich eine Weisheitszahn-OP …“ Der Rest geht in einer stürmischen Umarmung unter.

Danach springt das Kind wieder ins Auto. „Jetzt können wir fahren. Alles wird gut.“

Glücksklee

Ich werfe einen Blick auf den überrumpelten Schornsteinfeger. Er schaut mich an und scheint zu fragen:

„Haben Sie noch mehr Töchter?“

Ich kann aber nicht erkennen, ob diese Frage hoffnungsvoll oder sehr besorgt gemeint ist.

2 Gedanken zu “Handfeste Glücksbringer

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