Flucht und Vertreibung sind auch ein Kommunikationsdesaster. Was mich ein Kapitel meiner Familiengeschichte heute lehrt.

Ich besitze Feldpostbriefe meines Onkel Wola, den ich nie kennengelernt habe. Ich habe Karten der Familie an meinen Opa in russischer Gefangenenschaft und einen behelfsmäßigen Personalausweis meiner Oma von 1946. Wohnung: z.Z. Flüchtlinglager. Die alten Papiere erzählen mir nicht nur ein Stück Familiengeschichte über Galiziendeutsche*; sie beschreiben auch das Kommunikationsdesaster jener Zeit. Das bange Warten auf Nachrichten von Angehörigen. Verstörende Dokumente. Und ich schäme mich, dass ich mein ausrangiertes iPhone 4 nicht schon längst an einen Flüchtling verschenkt habe.

Meine Oma als Flüchtling 1946 in Berlin

Meine Oma als Flüchtling 1946 in Berlin

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Kaninchenköpfe machen eine rätselhafte Karriere als Pfingstrosen

PfingstrosenAus der Nachbarschaft werden mir telefonisch als Dankeschön und Vorbeibringsel Kningsköpp angekündigt. „Wissen Sie, was das ist?“ Ich weiß es natürlich nicht und befürchte irgendein Kohlgemüse. „Dat sin Kaninchenköpfe.“ Sie entpuppen sich als Pfingstrosen. Der Strauß ist wunderschön, doch warum in aller Welt werden Pfingstrosen im Dorfplatt als Kaninchenköpfe bezeichnet? Man weiß es nicht. Die Antwort bleibt mir der Geschenkbringer schuldig.

 Was das E-Book #1000 Tode schreiben mit der Hospizidee zu tun hat

Es ist gut, dass das E-Book der Initiatorin und Verlegerin Christiane Frohmann das Thema Tod und Sterben so massiv ins Leben holt. Und es ist gut, dass Erlöse aus dem Buchverkauf an ein Kinderhospiz gehen sollen. Denn so lädt das Buch nicht nur zu einer ganz persönlichen Auseinandersetzung mit dem Tod ein, sondern es schlägt auch eine Brücke zur Hospizidee, für die sich in Deutschland mehr als 100.000 Menschen engagieren. Eines Tages werden vielleicht wir oder unsere Angehörigen dankbar sein, dass die Hospizbewegung auch in Deutschland den Umgang mit sterbenskranken Menschen verändert hat.

Totenbretter

Vielleicht trifft es Euch nicht. Das schleichende, zermürbende Sterben eines Angehörigen. Vielleicht steht Ihr nie auf der Intensivstation am Bett eines geliebten Menschen, der plötzlich ins Koma gefallen ist und nicht mehr zurückkehren wird. Egal, welche Fratze der Tod Euch zeigt: Es geht darum, Sterben als Teil des Lebens zu sehen, eine Hand zu halten und zuzuhören, letzte Dinge zu besprechen, oder wenigstens Abschied auf Berührung zu nehmen. Und mit dem Schenken von Nähe zu signalisieren: „Du wirst sterben, aber Du bist nicht allein.“

Es geht nicht darum, dem Leben mehr Tage zu geben, sondern den Tagen mehr Leben.
Cicely Saunders (1918-2005)*

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