Oktober 2011 · Ein Forum für die Bratsche
Rund 130 Musiker aus aller Welt haben beim 39. Internationalen Viola-Kongress in Würzburg mit erstklassigen Konzerten, lehrreichen Workshops und informativen Vorträgen die enormen musikalischen Möglichkeiten der Bratsche in den Mittelpunkt gestellt. Ilse Mohr vom Büro für Textqualität hat für den Veranstalter, die Deutsche Viola-Gesellschaft, den viertägigen Kongress begleitet und wird darüber in der nächsten Ausgabe der Zeitschrift „Die Viola“ in Wort und Bild berichten.
Glanzvoller Höhepunkt und Abschluss des Kongresses in der Hochschule für Musik Würzburg war die deutsche Erstaufführung des Requiems „The Holocaust“ von Boris Pigovat für Viola und Symphonieorchester am 15. Oktober 2011. Der Komponist kam selbst und gratulierte dem Orchester „Camerata Louis Spohr“ unter Leitung von Bernd Fugelsang sowie dem Solisten Donald Maurice aus Neuseeland (Viola) zu ihrer großartigen Leistung.
Rund 70 Musiker aus rheinischen Berufsorchestern sorgten für die grandiose Umsetzung des ausschließlich instrumentalmusikalischen Werkes, das in ergreifender Weise die Vernichtung von rund sechs Millionen Juden während des Zweiten Weltkrieges thematisiert. Die Aufführung erfolgte in zeitlicher Nähe zum 70. Jahrestag des Massakers an den Juden von Kiew in Babi Yar am 29./30. September 1941. Damals wurden rund 33.000 Menschen erschossen, unter ihnen die Großeltern und die Tante von Boris Pigovat. Aus dieser persönlichen Betroffenheit heraus hat der israelische Komponist 1994/95 dieses Requiem geschrieben. Es wurde 2001 in Kiew uraufgeführt.
Die Deutsche Viola-Gesellschaft wurde 1968 ins Leben gerufen und zählt heute rund 300 Mitglieder in Deutschland und Nachbarländern. Nach ihrem Vorbild entstanden bis heute 14 Viola-Gesellschaften in 16 Ländern unter dem Dach der 1981 gegründeten International Viola Society. Ziel der Bratschisten ist es, das Ansehen des Instrumentes mit seiner rund 400jährigen Geschichte in der Familie der Streichinstrumente zu fördern sowie alte und neue Literatur für dieses Instrument zu sammeln und zu verbreiten.
Die Bratsche oder Viola ist die große Schwester der Violine und eine Quint tiefer gestimmt. Ihr Klang ist dunkler und herber als bei der Violine. Die Bratsche kommt vor allem in der Kammermusik in Verbindung mit Klavier und Streichern zum Einsatz, sie harmoniert in ungewöhnlichen Besetzungen aber beispielsweise auch mit Flöten, Harfen und Klarinetten. Sie hat sich zudem als Soloinstrument emanzipiert sowie einen festen Platz in Sinfonieorchestern gefunden. |