Die integrative Karnevalskiste

Der Rheinländer an und für sich ist ein integrativer Mensch, kommunikativ und erfinderisch. Er feiert Abgrillen in der U-Bahn, hält auch Verlierern die Treue und geht großzügig mit den Jahreszeiten um.

Dat klapp. Un wenn nit, krieje mer et an et klappen!

Vier Jahreszeiten reichen nicht aus? Dann muss eben eine fünfte her. Ist die zu kurz, wird halt auch der Oktober angeknabbert. Keiner da für die traditionell männliche Jungfrau im Dreigestirn? Dann tut es zur Not ein weibliches Wesen. Keine Männer da? Ein reines Damentrio geht auch. Motto:

Bauch, Beine Po … das mäht uns Jecke froh …

Rheinländer wissen aber auch, was sich gehört. Sessionseröffnung und Proklamationen neuer Majestäten gehen vor Totensonntag und der Adventszeit über die Bühne, danach geht es im kirchlichen Jahreszyklus weiter. Ein Rheinländer kann also mühelos erst Karnevalsjeck sein und sich dann in Festmessen und Weihnachtsfeiern stürzen.

Dat lööf.

Total verdötsch

Die unnachahmlich integrative Kunst des Rheinländers besteht allerdings darin, beide Jahreszeiten zu verbinden. So beteiligt sich ein Karnevalsverein etwa ganz selbstverständlich an einer Adventsfeierlichkeit auf dem Grillplatz. Das geht alles ohne Identitätsverlust: Statt Narrenkappen tragen die Karnevalsjecken blinkende Nikolausmützen. Und an Karneval wiederum kann man sich als Nikolaus verkleiden und Kamelle verteilen.

Do hammer all jet von!

Das Geheimnis der rheinischen Flexibilität: Die integrative Karnevalskiste. Da wird alles gesammelt, was man für die fünfte Jahreszeit so nötig hat: Pappnasen und Pistolen, Ringelsocken und Rute, Rauschebart und roter Plüsch, Strumpfhosen in Leopardenoptik und Stirnbänder.

Wer weiß, wofür et jot es.

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