3-Cent-Drama auf dem Briefumschlag

Was hat eine Erdbeere für die Wohlfahrtspflege mit dem Brandenburger Tor oder dem Posttower zu tun? Richtig. Nix. Doch die Portoerhöhung zwingt mich beim Frankieren von Briefen nun zu geschmacklosen Kombinationen.

Mit guten Wünschen

Ich schreibe gern Briefe. Mit blauer Tinte und auf feinem Papier. Und hochwertige Briefumschläge müssen es sein, mit Seidenfutter. Das knistert so geheimnisvoll. Und so sorgfältig, wie andere Frauen morgens überlegen, welches Parfum, welchen Lidschatten sie nehmen, wähle ich eine Briefmarke aus.

In meiner Sammlung gibt es farbenfrohe Exemplare, auf denen steht unter einem Regenbogen zusätzlich „Mit guten Wünschen“. Die sind ein klarer Fall für Geburtstagspost. Die Kindergeldbehörde und das Bafögamt bekommen grundsätzlich eine große, bunte Kindermarke; damit sie vor lauter Paragraphen nicht vergessen, um wen es wirklich geht.

Und auf die Geschäftspost klebe ich fliegende Kraniche. Da kann man hineininterpretieren, was einem in den Sinn kommt – zum Beispiel Überflieger, Dynamik, Aufbruchstimmung, Größenwahnsinn.

Schöne Briefmarken kaufe ich daher immer auf Vorrat. Damit ich nicht in Verlegenheit komme, etwa eine blasse „Esther von Kirchbach“, „200 Jahre Gäubodenfest in Straubing“ oder „100. Geburtstag Axel Springer“ benutzen zu müssen. Nun steigt das Porto für einen Standardbrief also von 55 auf 58 Cent. Aber das Pink der Aufpreismarke beisst sich mit dem Erbeerrot meiner Wohlfahrtsmarke. Geht gar nicht.

Bockig stelle ich den Porto-Automaten auf die Probe. Ich will wissen, was der für 3-Cent-Briefmarken ausspuckt. Aber drei Cent habe ich natürlich nicht klein. Nur einen Euro. Und weil der Kasten kein Restgeld rausrückt, erhöhe ich die Zahl der 3-Cent-Briefmarken missmutig auf 33. Ich hasse sie schon jetzt von Herzen und ärgere mich, dass der Automat tatsächlich funktioniert.

Zum Schluss spuckt der Automat mir noch die Überzahlung in Form einer 1-Cent-Briefmarke aus. Was soll ich damit?

Zu Hause lege ich das Brandenburger Tor und den Posttower neben meine Schätze. Und treffe eine Entscheidung: Nie, nie, nie werde ich diese 3-Cent-Werte neben meine schönen Briefmarken kleben. Stattdessen werde ich einfach zwei 55er für einen normalen Brief nehmen. Hauptsache, es sieht schön aus.

Postkarten für digitale Erreichbarkeit

Und die Automatenmarken hebe ich mir für einen einzigen Kompaktbrief auf. Damit schicke ich der Post das nächste Mal die Postkarten zurück, auf denen ich Korrespondenzpartnern mitteilen soll, dass ich digital per E-Postbrief erreichbar bin.

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