Ein Weihnachtsbaum muss her. Vom Fringsen und Finden.

Ich habe diese Weihnachtswundergeschichte heute beim Aufräumen in „meinem Internet“ wiederentdeckt und hier in den Blog gepackt, den ich damals noch nicht hatte. In den Geschäften gibt es jetzt die ersten Lebkuchen. Passt.

 

Wir schreiben den 24. Dezember 2010. Meine Tochter ist selbstständige 26 Jahre alt. Beim Gedanken an einen Weihnachtsabend ohne Christbaum aber beginnt ihre Unterlippe zu zittern. Es ist Heilig Abend, 11 Uhr. Nicht nur das Vorgebirge versinkt im Schnee, sondern ganz Nordrhein-Westfalen. Ich streiche die Fahrt von Alfter zu den Verwandten ins Ruhrgebiet, wo bereits mehr Schnee gefallen ist als hier. „Wenn wir hier bleiben, brauchen wir einen Weihnachtsbaum!“, jammert das Kind. „Und sei er noch so klein.“

Das neongelbe Kind rodelt.

Das neongelbe Kind rodelt.

An eine Autofahrt ist nicht zu denken. Ich wohne in Höhenlage. Mit meinem Auto käme ich zwar den Berg runter, aber ganz sicher nicht wieder hoch. Ich stecke das Kind in seinen neongelben Skianzug aus der Jugendzeit, organisiere bei Nachbarn einen Schlitten und los geht es. Zuerst in Richtung Friedensweg, wo es am Buchholzweg einen Weihnachtsbaumverkauf gibt. Als wir schnaufend dort ankommen, verkündet das Schild: Verkauf bis 23. Dezember.

Auf dem Weg abwärts – das Kind rodelt – kommt der Gemüsehof Mandt linker Hand in Sicht, wo offensichtlich noch Kundenbetrieb herrscht. Kartoffeln hätten wir dort haben können, Salate, Obst, aber keinen Weihnachtsbaum. Das Kind erbettelt sich aus der Dekoration der Verkaufsräume eine minikleine Tannenbaumspitze und bekommt noch ein paar Zweiglein dazu.

Das wäre doch fringsen, oder?

Heike Mandt rät, es noch bei der Baumverkaufsstelle an der Vorgebirgsschule Richtung Roisdorfer Weg zu versuchen. Aber da ist auch niemand. Es geht gegen 12 Uhr. Die Tannenbaumschonung ist an einer Stelle offen, und das Kind rüttelt und zieht an einem kleinen Bäumchen. „Das wäre doch fringsen, oder?“, sagt sie. Aber das Bäumchen rührt sich nicht. Nun ist Alfters Einkaufszentrum am Herrenwingert nicht mehr weit. Aber der Blumenladen hat auch nur Zweige anzubieten.

Vor dem Fotogeschäft bleiben die Blicke meiner Tochter begehrlich an einem Weihnachtsbaum hängen, gestiftet von der Familie Wiechert und geschmückt von Kindern der Vorgebirgsschule. Kraft mütterlicher Autorität kann ich sie gerade noch davon abhalten, handgreiflich zu werden, und erbitte im Zeitschriftenladen ein Telefonbuch. Wir fragen bei der Baumschule in Gielsdorf an. Das wäre zu Fuß noch zu schaffen. Aber die Restbestände an Weihnachtsbäumen wurden vor wenigen Minuten bereits weggebracht.

Trampen bis zur Schneewüste

Trampen bis zum Baumarkt in Oedekoven, lautet der nächste Plan meiner Tochter. Dazu habe ich keine Lust. Zufällig weiß ich aber die Telefonnummer des Alfterer Ortsvorstehers Werner Jaroch auswendig. Der ist unterwegs in Wald und Feld, meldet seine Enkelin und schickt uns in die Schneewüste an der Fürst-Franz-Josef-Straße in Alfter. Dort müsste der Ortsvorsteher sein.

Auf dem Weg dorthin hören wir einen Holderfahrer herantuckern. Besitzer also eines dieser jahrzehntealten landwirtschaftlichen Kleinfahrzeuge, die im Vorgebirge eine reiche Tradition in der Landwirtschaft haben. Kamikazemäßig stellt sich das neongelbe Kind ihm in den Weg, schildert sein Desaster und bittet um eine Mitfahrgelegenheit.

Einen echten Vorgebirgler kann nichts erschüttern: „Rein mit Euch“, sagt er knapp und verstaut uns in seinem Anhänger, gefühlte Grundfläche etwa zwei mal zwei Backbleche. Mit der Würde eines Wiener Droschkenfahrers kutschiert er uns die Bahnhofstraße hinunter und bietet eine Mitfahrt in die Nachbarstadt Bornheim an. Dort, versichert er, gebe es am Rathaus bis 14 Uhr noch Weihnachtsbäume zu kaufen. Das würde allerdings einen erheblichen Fußmarsch zurück bedeuten.

Tadaa. Ein Weihnachtsbaum.

Tadaa. Ein Weihnachtsbaum.

Mit Allradantrieb zum Weihnachtsbaum

Deshalb steigen wir doch lieber in Alfter an der Fürst-Franz-Josef-Straße aus und suchen den Ortsvorsteher. Vergeblich. Wir wählen nochmals seine Nummer. Werner Jaroch ist gerade wieder zu Hause angekommen. Dennoch schmeißt er sich erneut in seinen Geländewagen, lädt uns samt Schlitten ein und fährt in sein Feld und Wald hinterm Bähnchen. „Jetzt such Dir einen aus“, verkündet er dem Kind, das sich nicht lange bitten lässt. Schnell ist ein Bäumchen gefunden, abgesägt und verstaut.

Das Kind schenkt dem Ortsvorsteher eine knuddeldicke Umarmung, er seinen Überraschungspassagieren eine Fahrt mit Allradantrieb zurück auf den eingeschneiten Görreshof.

So ist das mit Weihnachten – es geschehen noch Zeichen und Wunder.

Carline mit der Trophäe Weihnachtsbaum.

Carline mit der Trophäe Weihnachtsbaum.

 

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