Frauchen gesucht. Wie man erwachsenen Kindern ihre alten Stofftiere abschwatzt.

Ein weithin bekanntes Elternleiden geht so: Die Kinder sind längst erwachsen und ausgeflogen und haben zuhause einen Berg an Stofftieren hinterlassen. Die man selbstverständlich nicht entsorgen darf. Als meine Tochter 30 Jahre alt wurde, habe ich Wauzi ein Schild umgehängt: „Frauchen gesucht“.

Verwaiste Tiere darf man doch aussetzen, oder?

Verwaiste Tiere darf man doch aussetzen, oder?

Verwaiste Tiere darf man doch aussetzen, oder?

Die frohe Frage habe ich bei Instagram und Facebook gepostet, denn Kontakt per Mail oder Telefon klappt bei den jungen Leuten erfahrungsgemäß nur so mittelgut. Der Kommentar meiner Tochter auf Facebook ließ nicht lange auf sich warten: „Mamaaaaaa!!!!!! Noooiiiiiiinnnnnn!!!!!!“ Auf einmal klappte es dann mit einem Telefonat. Ich habe geduldig erklärt, welche verwaisten Stofftierschätze noch Asyl bei mir beanspruchen und versprochen, für Wauzi ein neues liebesvolles Frauchen zu suchen.

Vor der Eisdiele

Vor der Eisdiele. Frauchen gesucht.

Vor der Eisdiele. Frauchen gesucht.

Ich habe Wauzi in der Nähe der Eisdiele drapiert und gewartet. Das Blöde ist: Kinder im kuscheltiertauglichen Alter können noch nicht lesen. Das nutzen vorbeihastende Mütter mit wenig Interesse an tierischen Möbelstücken gnadenlos aus und speisen die „Was steht da?“- Frage der Kinder mit einem knappen „Weiß ich nicht.“ ab. Nach einer guten Stunde als stiller Beobachter habe ich aufgegeben.

Vor der Bäckerei

Vor der Bäckerei. Frauchen gesucht.

Vor der Bäckerei. Frauchen gesucht.

Beim zweiten Anlauf setze ich Wauzi auf den Kaffeetisch vor der Bäckerei. Kinder, die dort schon selbst einkaufen und lesen können, werfen durchaus interessierte Blicke auf den Hund; aber sie trauen sich nicht so recht und widmen sich lieber den Verlockungen ihrer Teilchentüte. Ich ziehe unverrichteter Dinge wieder ab, als mir der Holzstuhl vor der Bäckerei zu unbequem wird.

Auf dem Spielplatz

Auf dem Spielplatz. Frauchen gesucht.

Auf dem Spielplatz. Frauchen gesucht.

Auf dem Spielplatz setze ich Wauzi in eine Reifenschaukel und treffe einen Bekannten mit seiner Tochter im Grundschulalter. Er winkt ab: „Wir haben schon zwei Säcke mit Stofftieren aus dem Kinderzimmer geräumt.“ Ich will den Hund gerade wieder einsammeln, als ein sechsjähriges Mädchen rätselnd vor dem schaukelnden Stofftier steht.

Diesmal gehe ich in die Offensive: „Guck mal, der Hund ist einsam. Er sucht ein neues Frauchen, das ihn liebhat.“ Friedi nimmt Wauzi sogleich in den Arm. „Ich muss aber Mama fragen, ob ich das darf“, sagt sie und berichtet, dass sie ihren eigenen kleinen Stofftierhund leider angekaut hat.

Happy End 

Ich begleite Friedi und ihren achtjährigen Bruder Max auf dem Weg zur Mutter, damit keine Zweifel an der Seriösität des Himmelsgeschenks aufkommen. Außerdem ist mir wichtig kundzutun, dass Wauzi einen Wollwaschgang bei 30 Grad hinter sich hat. Die Mutter lächelt. Was zählt, ist einzig das kleine Kinderglück an diesem Tag. Es ist so einfach.

Frauchen gefunden.

Frauchen gefunden.

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