Ich bin ein schlechter Beifahrer. Das liegt in der Familie.

Wahrscheinlich lande ich demnächst in der Autokolumne meiner Tochter Carline. Als ihr schlechtester Beifahrer ever. Alles gelogen. Es gibt nichts Unterhaltsameres als ein Kind am Steuer, das wundersamerweise vor zwölf Jahren den Führerschein bestanden hat und inzwischen über ein volles Punktekonto in Flensburg verfügt.

Auto

„Also, wenn ich jetzt fahre, müssen wir Radio hören, Sonst kann ich mich nicht konzentrieren. Du darfst Dir auch den Sender aussuchen.“

„Duhu, ich habe jetzt nicht so genau geguckt. Wo müssen wir hin?“

„Warum ist eigentlich das Navi nicht an? Ach, da lädt ja mein iPhone.“

„Guck mal, da ist Uffeln. Ein wunderschöner Name. Kann man auch als Spitznamen verwenden: mein Uffelchen.“

„Wo sind wir überhaupt? Drei Stunden weg von Berlin? Ich weiß, dass man in drei Stunden von Berlin auch nach Polen kommt. Tief nach Polen.“

„Schaltet man den Opel ab 200 in den 5. Gang oder schon vorher? Wie schnell fährt der überhaupt?“

„Duhu. Nur noch eine Frage: Sollte ich geblitzt werden, dann könnte man doch sagen, dass Du das warst.“

„Wie schnell darf ich hier eigentlich fahren?“

„Also mit den Punkten, das machen wir, gell? Wir sehen uns doch ähnlich. So von weitem.“

„Sch, sch, weg da, Zuckerhase. Was meinst Du, warum wir hier drei Spuren haben.“

„Die alte Regel hilft auch beim Blinken: Viel hilft viel.“

„Welcome to the Hotel Califiornia …“

„Bielefeld. Ich fahr weiter geradeaus, ja? Ich kann doch nicht irgendwohin fahren, was es gar nicht gibt.“

„Achtung Kurve. Achtung Kurve. Boah ey. Ich fahre doch nicht mit geschlossenen Augen, Du Navi.“

Zwei verpasste Autobahnkreuze später nähern wir uns unserem Ziel und einer Blitze. Bei der Vollbremsung fuchtelt Carline hektisch mit ihrem Schal vor der Windschutzscheibe. Damit die Radarfalle ihr Gesicht nicht erkennt. Das ist natürlich gelogen.

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