Lakritzschneckenglück am Pressetisch

Ich habe mich gewappnet. Mit gut sortierten Unterlagen, Wasser und mentaler Gleichgültigkeit gegenüber einem verpatzten Feierabend.

Kommunalberichterstattung ist kein Ponyhof.
Ich weiß das.

Die Lokaldramen reihen sich aneinander. Geheime Abstimmungen erst im Schulausschuss, anschließend in der Ratssitzung, danach der ganze Rest mit erweiterter Tagesordnung.

Ein Ratsherr am Nebentisch stärkt sich mit Lakritzschnecken. Ich äuge neidisch hinüber.

Mein Arm lahmt vom Mitschreiben. Und im abendessenleeren Magen wächst das hohle Bauchgefühl.

Ich schleiche vom Pressetisch zum Nachbarn: „Darf ich eine Lakritzschnecke von Ihnen haben?“

Ich darf. Was für eine geniale Süßigkeit. Ihr Genuss lässt sich analog der gefühlt hundert Tagesordnungspunkte beliebig in die Länge ziehen. Man puhlt erst ein Stück von der Rolle und lutscht. Danach kann man die schwarze Schnur stückchenweise anknabbern. Schließlich passt die klein gewordene Scheibe in den Mund und lässt sich wie ein Bonbon hin- und herschieben.

Hach. Ratssitzungen können so lustvoll sein.

Ich sitze wieder friedlich und konzentriert in meiner Ecke und interessiere mich sogar für Niederschlagswassergebühren für Straßenbaulastträger.

So viel zur Förderung von Qualitätsjournalismus im Lokalen mit Lakritzschnecken.

Ein Gedanke zu “Lakritzschneckenglück am Pressetisch

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