Lesenswerter Unfug

Ich freue mich immer, wenn ein Kamelfuß in meine Twittertimeline ploppt. Dann kommt kein Schlaumeier, kein Shitstorm und kein Werbekram – dann kommt Ute Weber: Mal spöttisch oder nachdenklich, mal wortspielerisch oder berührend hält sie mit ihren Tweets das laute Leben an. Am 18. September erscheint nun ihr Twitterdestillat: herzerfrischender „Unfug – Tiefe Gedanken, auch in seichten Gewässern“ als E-Book im Frohmann Verlag.

Ein sonniger Tag, wie gemacht für Gartenarbeit. Gehe jetzt den Ast absägen, auf dem ich sitze. Dann lach ich mir einen neuen.

Foto: Ilse Mohr

Hinter „Unfug“ verbirgt sich freilich kein Blödsinn. Ute Weber schickt uns das Augenzwinkern eines Augenblicks oder eine Momentaufnahme aus dem Alltagstrott, eine ironische Selbstbeobachtung oder den feinen Spott für Arschkrampen.

An der Kreuzung liegt seit Tagen eine dicke Kartoffel. Irgendwann setz ich mich zu ihr und wir reden über die Welt und Zwiebeln.

Foto: Ilse Mohr

Bei Ute Weber lugt stinknormales Leben frech um die Ecke oder ein Gedanke schlendert lässig durch die Tür, eine Erkenntnis beansprucht das ganze Sofa oder eine Begebenheit zerbröselt in staubtrockenem Humor. Poetisch, witzig, geistesblitzig: Wie hätten Sie es gern?

Habe alles auf eine Karte gesetzt. Es sieht mich fragend an und baumelt mit den Beinen vom Rand der Piksieben.

Foto: Ilse Mohr

Mehr als 140 Zeichen sind für einen Tweet nicht drin. Aber sie reichen Ute Weber für eine zugespitzte Bemerkung, die wir beschmunzeln oder bejahen, die uns losprusten lässt oder ein Brett vorm Kopf wegreißt.

Wenn alle Stricke reißen, können wir aus den Resten immer noch Makramee-Blumenampeln knüpfen und damit reich und berühmt werden.

Foto: Ilse Mohr

Twitteratur in seiner schönsten Form: „Große Gedanken in kleinem Format, knapp gefasst, aber weit gedacht, pointiert formuliert …“, wie Tobias Becker im Kulturspiegel 9/2012 dieses Genre auf der Microblogging-Plattform Twitter beschreibt. Ute Weber selbst meint: „Twitter ist nicht nur ein Jahrmarkt prominenter Eitelkeiten, es ist auch ein Tummelplatz für die Freunde des pointierten Satzes, des gedrechselten Wortes und des poetischen Gedankens.“

An alle sehr jungen Menschen: Liebe, Zorn, Trauer, Unendlichkeit, Sehnsucht. Keine Sorge, man gewöhnt sich. Nie daran.

Foto: Ilse Mohr

Die knackige Kürze hat hohes Suchtpotenzial, nicht nur für Leser, sondern auch für den Autor. Ute Weber: „In diesem Umfeld der sogenannten Twitteratur habe ich meine Spielwiese gefunden.“

Ich habe Twitter übrigens nicht verstanden. Aber es macht Spaß. Genauso wie die Liebe und Seifenblasen.

Foto: Ilse Mohr

Für Ute Weber ist Twitter: „mein öffentliches Tagebuch, Etüdenheft, Wortspielventil und der Schnörkel an jedem meiner Tage.“

„Nein., ich heule nicht, das ist nur von der Zwiebel. Ja, ich habe immer eine dabei. Auch im Kino. Man weiß ja nie.“

Foto: Ilse Mohr

„Twitter hat mein Leben verändert“, sagt Ute Weber, „da ich dort virtuelle Sozialkontakte mit anderen Erkrankten pflegen kann und gleichzeitig viel Geld spare, das ich ansonsten in die Kalauerkasse hätte zahlen müssen.“

Wieder ein Projekt in den Sand gesetzt. Es ist ganz zufrieden und spielt mit dem Schäufelchen.

Foto: Ilse Mohr

Foto: Ilse Mohr

Die Sammlung „Unfug – Tiefe Gedanken, auch in seichten Gewässern“ ist ein Destillat aus Ute Webers ersten zwei Jahren auf Twitter. Mehr als 1.500 Tweets wurden für das E-Book aufbereitet und in 18 Kapitel sortiert.

War gerade im Wald. Mag Bücher auch, wenn sie noch eine Rinde haben.

Foto: Ilse Mohr

Das E-Book „Unfug – Tiefe Gedanken, auch in seichten Gewässern“ von Ute Weber erscheint im Frohmann Verlag, Berlin, und wird ab 18. September 2012 für EUR 3,99 in allen bekannten Downloadstores erhältlich sein. Vorbestellungen bereits möglich bei iBooks und bei Amazon.

„Komm, lass uns ein bisschen zusammen rumspinnen.“

„Stroh zu Gold?“

„Geht klar.“

Foto: Ilse Mohr

Für die langen Gedanken hat Ute Weber einen Webstuhl eingerichtet. „Seit einiger Zeit arbeite ich dort an einem meterlangen roten Teppich für eine Geschichte, die ein Roman werden will, in dem Biskuitkekse und Kieselsteine eine wichtige Rolle spielen. Ich glaube fest daran, dass Unfug und Tiefsinn ohne einander verloren wären.“

Dann wird die Welt ein bisschen besser und ein bisschen schlechter. Wolken ziehen und der Müll muss raus. Oder der Hund. Irgendwas ist immer.

Foto: Ilse Mohr

Ute Weber auf Twitter: https://twitter.com/UteWeber

Frohmann Verlag, Berlin, auf Twitter: https://twitter.com/FrohmannVerlag

Frohmann Verlag auf Facebook: http://www.facebook.com/FrohmannVerlag

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