Mit vegetarischen Brötchen zum Heiratsantrag

Irgendwann verlassen Kinder das Hotel Mama. Und weil es da nun mitunter ziemlich einsam ist, kommt das Hotel Mama eben zu den Kindern. Eine Subform des Generationenvertrags, der noch nicht allgemein bekannt ist. Aber ich bin ein innovativer Mensch.

 Du kommst zu Deinem 21. Geburtstag nicht nach Hause? Aha, Ihr macht eine Riesenfete in Deiner Wohngemeinschaft und feiert rein. Ach, da gibt es nur zu trinken?

Also, hör mal, Kind. Ihr müsst doch etwas essen! Weißt Du was? Ich schenke Dir zum Geburtstag das Catering, also das komplette Programm für feste Nahrung.

 „Tolle Idee“, befindet meine Tochter, und ich höre sofort heraus, dass sie mich nicht dabeihaben will.

„Aber weißt Du, Mama. Da werden ziemlich viele Leute auftauchen, weil sich die Fete herumgesprochen hat. Von denen kenne ich die meisten nicht einmal. Die wollen sich nur betrinken. Für die auch noch Essen anbieten?“

Tapfer erhalte ich mein Angebot aufrecht. Ich bin zwar ebenfalls nicht eingeladen, darf aber kommen.

Ich besorge Brötchen, die mit Hackfleisch und Käse gefüllt werden und dann in den Ofen kommen. Kann man blecheweise die ganze Nacht über nach Bedarf backen. Auch, wenn man in der WG-Küche nur einen Quadratmeter Platz hat.

Die Kinder machen noch irgendetwas mit wodkagetränktem, halbflüssigem Wackelpeter, den sie auf Spritzen aufziehen und dann im Gefrierschrank runterkühlen. Ich sage mal besser nichts.

Ich parke die noch ungeschmierten Brötchen in der Waschmaschinentrommel – die befindet sich innerhalb meines Einquadratmeterplatzes – und schiebe das erste Blech in den Ofen, als es in der Wohnung nur noch Stehplätze gibt.

Nach zehn Minuten reckt sich die erste Nase in meine Richtung. „Was riecht denn hier so gut?“

Das erste Blech überbackene Brötchen ist im Handumdrehen leer. Es reicht knapp für die überfüllte Küche. Mit Blech Nummer 2 und 3 schiebe ich mich durch die Menschenmassen im Flur. „Was zu essen gefällig?“

Erstaunte Gesichter und verstohlenes Gemurmel: „Wer ist denn das?“ Ich strahle die jungen Leute an: „Ich bin vom Catering-Service“.

Mit Blech Nummer 4 brauche ich die Küche nicht mehr verlassen. Meine Identität ist inzwischen gelüftet, der Nachschub wird abgeholt. Die jungen Leute sind begeistert und futtern drauf los. Und sie sind keineswegs sturzbesoffen oder auf Randale aus, sondern nur sehr lustig. Und sehr laut.

„Können Sie auch vegetarische Brötchen machen?“, fragt zu später Stunde ein später Gast.

„Klar, kann ich. In 15 Minuten fertig“, verspreche ich und sonne mich eine Viertelstunde später in der entzückten Dankbarkeit eines offensichtlich sehr hungrigen Vegetariers. Die Nachwehen dieser Fete erreichen mich telefonisch.

„Mensch Mama. Alle fanden Dein Catering toll“, berichtet meine Tochter. Diesmal schwingt stolz in ihrer Stimme mit. „Ich soll Dich grüßen und fragen, wann Du das nächste Mal kommst und ob man Dich buchen kann. Und der matte Matze, Du weißt schon, der mit den vegetarischen Brötchen, will wissen, ob Du noch zu haben bist?“

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