Namenssalat mit 2 Buchstaben. Schluss jetzt mit Familiengedöns.

Die Namensgebung in unserer Familie war eigentlich als Liebesbeweis pur gedacht: Mein Großvater Carl und seine Ehefrau Frida wollten ihrem erstgeborenen Sohn ihrer beider Vornamen geben. Damit setzten sie leider ein generationenübergeifendes Problem in die Welt. Inzwischen hoffe ich, dass meine Nachkommen dereinst den Buchstabensalat von Ks und Cs beenden und meine Enkel eindeutige Namen tragen wie etwa Tom oder Emma.

Karl oder Carl

Mein Großvater hieß nämlich Carl mit C, das Kind aber sollte heißen: Karlfriedrich mit K. Und das Ganze in einem Wort. Die Zusammenschreibung wollte der Standesbeamte zunächst nicht durchgehen lassen, aber die Eltern blieben stur und konnten sich durchsetzen. Nicht so bei den Großeltern, die den Namen ihres Enkels mit C schrieben und das Friedrich hinterher getrennt und groß.

An Carl Friedrich schickten „die Dich liebenden Großeltern“ ihre Geburtstagskarte.

Auch die Cousine Anne-Marie hatte den Namen nicht richtig drauf, als sie dem 15jährigen Cousin Karlfriedrich zur Konfirmation gratulierte. Ihr gelang zwar die Zusammenschreibung, aber das K blieb auf der Strecke.

Und so hieß bei ihr der Konfirmand Carlfriedrich, zwar in einem Wort, aber mit C.

Irgendwann lässt Karlfriedrich mit K in Briefen an seine Eltern den Namen einfach weg. 1927 schließt er einen Brief an seine sich in der Kur erholende „gestrenge Mama“:

„Gehorsamst küsst die Hand Dein Sohn  (wie er heißt, weißt Du ja wohl).“

Überhaupt ist Karlfriedrich ja ein langes Wort, das deshalb recht bald zu Fidi verkürzt wurde – wohlgemerkt Fidi nur mit I, obwohl in Friedrich ja ein IE vorkommt.

Zum 18. Geburtstag veränderte Tante Gertrud den Fidi dann in Fidilein, und Wochen später in Carlfidi.

Unglaublicherweise schafft es auch nicht die Mutter, ihren Sohn korrekt anzuschreiben. Aus der Kur im Jahr 1928 schreibt sie an einen Carlfriedrich in einem Wort mit C, und der Vater macht es genauso.

Die Schwester Janne verpasste ihrem Bruder dann schließlich noch den Spitznamen Fidibum, Bruder Fi oder Fidibruder.

Offiziell feierte das C dann wieder fröhliche Auferstehung, als Karlfriedrich mit K seinen erstgeborenen Sohn Carl Peter nennen ließ, Carl mit C. Wobei ich als Schwester immer im Zweifel war, ob das jetzt ein oder zwei Worte gewesen sind.

Der Einfachheit halber wurde mein Bruder auch nur Peter gerufen.

Am großväterlichen C wollte dann auch ich wieder festhalten und nannte meine Tochter Carline. Das ist offensichtlich eine Zumutung. Den meisten meiner Mitmenschen fehlt offensichtlich ein O, weshalb trotz genauester Sprechweise bei der Namensnennung aus meiner Carline dauernd eine Caroline wird.

Ich gewöhnte mir also an, Carline, ohne O!, zu sagen. Das ergab aber immer noch nicht Carline, sondern wahlweise eine Kaline mit K und ohne R oder eine Karline mit K und R.

Bei aller Liebe für Familientraditionen: Ich hoffe, dass Carl in den Namen meiner Enkelkinder nicht erneut Auferstehung feiert und sich die Welt mit einer Carla oder Karla, einem Karolus oder Carolus herumärgern muss.

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