Von der Last und Lust im Kamelleregen zu stehen

Früher regnete es bei Karnevalsumzügen noch traditionelle Kamelle. Wie kleine Kopfnüsschen prasselten bunt verpackte, harte Bonbons herab und bescherten eifrigen Sammlern süße Vorräte bis mindestens Ostern. Gern ersetzte man sie dann durch Schokoladeneier, denn die Plombenzieher und Zuckerdrops waren nur bedingt lecker. Heute sind das olle Kamelle. Hochwertige Süßigkeiten haben die Bonbons abgelöst, die zunehmend verschmäht wurden.

Für das Kinderglück reichten die ollen Kamelle aber damals allemal.

Kamelleregenschirm 2013

Schnell hatten wir spitz, dass man beim Besuch von Karnevalszügen die Kamelle unendlich vermehren konnte. Man musste am Ende des Zuges nur dem Prinzenwagen folgen, aus dem wahre Bonbonwolken niedergingen.

Die Taktik war simpel: schnell aufsammeln, wieder vorsprinten und erneut „Kamelle“ schreien.

Zu Hause haben wir dann reinen Gewissens diesen unerhörten Reichtum aus den Tüten gekippt, andächtig bestaunt und den Moment der Glückseligkeit ausgekostet, Kamellekönige zu sein. Der tatsächliche Konsum hielt sich in Grenzen.

Die meisten Bonbons schmeckten einfach nicht.

Nach der Bestandsaufnahme bestand das Vergnügen darin, die Bonbons nach Farbe und Geschmack zu sortieren, zu tauschen und wahlweise den Kaufladen oder Spielzeugautos damit zu bestücken.

Die Kamelle heute fallen ebenfalls reichlich, aber in verzehrstauglichen Massen. Das Kinderglück aus Schokoladenriegeln und Mäusespeck, Gummibärchen und Kartoffelchips reicht dabei für ordentliches Bauchweh oder ebenfalls bis Ostern.

Aber wer will Ostern noch Popcorn essen?

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