Zwei Kilo Walnüsse fürs Kinderglück

Ich mag keine Walnüsse. Und jetzt habe ich zwei Kilo davon in der Küche. Weil ein kleiner Junge am Straßenrand stundenlang tapfer auf Käufer seiner gesammelten Walnüsse wartete.

Ich musste mir als Kind mein Taschengeld erarbeiten. Wer je Kuhfladen als Dünger für den elterlichen Garten gesammelt hat, der weiß, wie gut ein selbst verdientes Eis schmeckt.

Der kleine Junge hatte einen kleinen Tisch aufgebaut und informierte mit einem Zettel über die Preise: 1 Pfund für 1,50 Euro. 1 Kilo für 3 Euro. Die Walnüsse hatte er selbst im Garten gesammelt. Seine Finger waren braun.

Ich habe auch später kein Taschengeld bekommen, sondern ab Sexta einen Tarifvertrag. Ich unterschrieb mit meinem Spitznamen Carline. Für die Note 1 in den Hauptfächern gab mir mein Vater fünf Mark, für eine 2 erhielt ich drei Mark, und die Note 3 war immerhin noch eine Mark wert. Nebenfächer die Hälfte.

Das Gemeine an diesem Tarifvertrag war, dass ich umgekehrt bei schlechteren Noten die entsprechenden Beträge zurückzahlen musste. Eine Fünf in Mathe kostete mich also drei Mark. Leider war ich kein Rechenkünstler.

Für Zeugnisnoten galt derselbe Tarif. Betragen, Fleiß und Ordnung wurden zudem wie Hauptfächer! bewertet.

Der kleine Junge hatte auch Lose gebastelt. Ein Stück für zehn Cent. Damit konnte man ein Pfund Walnüsse gewinnen. Bisher hatte keiner gewonnen. Und ich hatte bei meinem Spaziergang kein Geld dabei. Der enttäuschte Blick traf mich ebenso tief wie die früheren Fünfen in Mathe. Also zurück nach Hause, Kleingeld holen und nochmals los.

Zwei Kilo Walnüsse fürs Kinderglück.

Den Blödsinn mit einem Tarifvertrag über Schulnoten habe ich später auch bei meiner Tochter gemacht. Aber nicht lange. Dann habe ich ihr Taschengeld gegeben und die Mathenachhilfe bezahlt.

Und aus Walnüssen haben wir lustige Mäuschen gebastelt.

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